WON

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive

9 Nov 2018
Berlin Senatsverwaltung für Kultur und Europa

“It is a fact that functionally complex systems are a challenge to creative thought. Were as functionally simple systems are stultifying, idiotic. The complex systems that now are coming about are complex in a structural sense. Whether they will be complex in a functional sense, depends on us (…)”

Vilém Flusser, European Media Art Festival Osnabrück, 1988

Archive in progress, ABA studio, Berlin 2018


Über künstlerische Praxis in und mit digitalen Archiven

 

Freitag 9. November, 14:00 – 17:00Uhr
Vilém Flusser Archiv, Universität der Künste, Grunewaldstraße 2–5 Berlin, Raum 208

mit:
Anita Jóri (HU) (Vilém Flusser Archiv)
Graham Kelly (UK/NL)
Pxflux (BY)
Viktorija Šiaulytė (LT)

Dieser Salon diskutiert Themen der digitalen Archivierung und künstlerischen Praxis.
Während das Internet zu einer immer größer werdenden Quelle von Wissensverbreitung und Aneignung geworden ist, ist es auch zu einem Ort für künstlerische Untersuchung und Präsentation geworden.

Den Gedanken des Medienphilosophen Vilém Flusser folgend, würden wir gerne über das Potential und die Herausforderung einer digitalen Datenbank für KünstlerInnen mit einer forschungsfokussierten Praxis sprechen.

Aus über 2500 Manuskripten, Publikationen und Dokumenten von Flussers Korrespondenz wenden wir uns der Entwicklung der von ihm sogenannten “revolution of the technical image“ zu. Hierbei geht es um Konzepte von Authentizität und Originalität, Privates versus Publikum, Institutionelles versus Politisches und Kommerzielles.

über die Teilnehmenden:

Dr. Anita Jóri (HU) ist seit 2016 die wissenschaftliche Leiterin des Vilém Flusser Archivs. Sie wird die bewegende Geschichte des Archivs vorstellen und uns durch eine Auswahl des Archivmaterials führen. Jóri hat ein Masterstudium der Geschichte, Pädagogik und angewandten Sprachwissenschaft an der Eötvös Loránd University (Budapest, HU) abgeschlossen. Ihre Doktorarbeit hat sich mit sprachwissenschaftlichen Fragen der “discourse community of electronic dance music” beschäftigt.

Graham Kelly (UK/NL) ist ein Bildender Künstler, Essayist und Filmemacher. Seine künstlerische Praxis ist zwischen zeitgenössischen Arten von Bildern, dem physischen Körper und Umfeld situiert. Graham wird über eine hypothetische digitale Materialität, an Hand von Beispielen seiner künstlerischen Praxis sprechen. Seine Arbeit stellt die Frage: Wo befinden sich in einem immer komplexeren System von vernetzten Bildern die formalen Grenzen digitaler Archive und Erfahrungen (wenn es diese Grenzen überhaupt gibt).

Pxflux (BY) ist eine open-source Onlineplattform, die das Werkzeug für Ausstellung, Vermarktung, Verbreitung und Sammlung von zeitbasierter, computerregenerierter, digitaler Kunst zur Verfügung stellt. Die Co – Gründer Aleksander Komarov und Maxim Tyminko sprechen über Formen des nachhaltigen digitalen Datenschutzes und die Möglichkeiten digitaler Techniken, Kunstwerke aus ephemeren und instabilen Medien zu präsentieren. Zusammen mit Maxim und Aleksander werden wir uns anschauen, wie KünstlerInnen ihre Arbeiten für eine digitale Onlineplattform umarbeiten, und wie diese Plattformen künstlerische Bedürfnisse adaptieren könnten.

Viktorija Šiaulytė (LT) wird ihr Projekt “Good Life”, welches sie zusammen mit der Filmemacherin Marta Dauliūtė (SE/LT) während ihres Aufenthaltes im Flusser Archiv 2018 entwickelt hat, vorstellen. Dies ist ein längerfristiges Forschungs- und Dokumentarfilmprojekt, welches Forschung, bewegtes Bild und kuratorische Arbeit miteinander verschmilzt.“Good Life” nimmt sich die Untersuchung einer Narration der Erneuerung und Flexibilität und seiner sozialen und politischen Implikationen vor. Durch Gespräche, kontinuierliche Diskussionen und Gruppen – Workshops mit einer ausgewählten Gruppe von Entrepreneuren der Tech – Startup – Scene, zeigen Šiaulytė und Dauliūtė die Beziehung auf, zwischen ihrer eigenen unsicheren Position in der Notwendigkeit, mit einem Selbstmanagement umzugehen und zusätzlich mit den Personen, die dieses als eine ständig wachsende Geschäftsmöglichkeit sehen. Im Zentrum des “Good Life” Projekts steht die Frage: Wie lässt sich eine kritische Analyse mit jenen Menschen teilen, dessen Weltansicht eine radikal andere ist?

Das Vilém Flusser Archiv verfügt über und kümmert sich um die schriftlichen Hinterlassenschaften des kulturellen Theoretikers Vilém Flusser (1920–1991). Geboren in Prag, emigrierte er 1940 nach Brasilien und kehrte in den frühen 1970ern nach Europa zurück. Das Archiv bezeichnet sich selbst als einen Schnittpunkt der internationalen Forschung Vilém Flussers und bemüht sich, den Zugang zu dem Werk eines einflussreichen Denkers zu fördern. Zusätzlich zu eigenen Projekten wie Veranstaltungen und z.B. die Publikationsreihe International Flusser Lectures sowie die Edition der Bochumer Vorträge von 1991 strebt das Vilém Flusser Archiv an, internationale Publikationen, Stipendien, künstlerische Arbeit und Veranstaltungen zu unterstützen. Das Archiv beinhaltet circa 2500 der Essays und Bücher Flussers, all seine Veröffentlichungen sowie Dokumente seiner umfangreichen Korrespondenz.

World of Noon wird von der in Berlin ansässigen Künstlerinitiative ABA (AiR Berlin Alexanderplatz) organisiert und großzügigerweise von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA

World of Noon #2 @ Vilém Flusser Archive, © ABA