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World of Noon #5 @ Haus der Statistik

9 Nov 2019
Berlin Senatsverwaltung für Kultur und Europa

„Bending Your Back Like This“

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Samstag 9. November 2019, 14:00 – 17:00
Haus der Statistik, Pförtnerhäus (HAUS D), Otto-Braun Straße 70, Berlin

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Mit:
Goeun Bae
(South Korea)
Monika Konrad
(PL)
Ling-Yu He
(Taiwan)
Carsten Lisecki
(DE)
Frank Fuchs
(DE)

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Der rasante Anstieg der Wohnungspreise, die damit verbundene Vertreibung von Menschen und die Verdichtung von Lebensräumen bilden den Kontext für diesen Salon. Anstatt den daraus folgenden Strukturwandel in Großstädten wie Berlin anzuschauen, werden wir die Vogelperspektive verlassen und durch die Betrachtung verschiedener künstlerischer und nichtkünstlerischer Praktiken untersuchen, wie unsere eigenen Körper mit der städtischen Umgebung, in der wir uns befinden, verbunden sind. Durch Erfahrungsaustausch, öffentliche Diskussion und körperliche Übungen werden wir die räumliche Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers als Metapher für die Wohnungskrisen, mit denen wir heute konfrontiert sind, untersuchen. Wir werden die Videoarbeiten von Goeun Bae und Ling-Yu He anschauen. Beide Künstlerinnen nutzen den Körper als Mittel, um die Grenzen des privaten und gemeinsamen Raumes zu skizzieren. Des Weiteren werden wir mit dem Künstler Carsten Lisecki und der Architektin Monika Konrad über ihrer Arbeit in Relation zu diesem Thema sprechen.

Der Salon findet in dem Projektraum ABA/CADABRA im Haus der Statistik am Alexanderplatz statt.

 

ÜBER DIE TEILNEHMER*INNEN:

GOEUN BAE’s künstlerische Arbeit prüft durch das Demontieren und die Rekonstruktion die beobachtete herrschende Ordnung einer exakt abgestimmten Gesellschaftsgeschichte. Baes Arbeit enthüllt eine persönliche Geschichte, die die verletzliche und unsichere Position von Frauen in der gegenwärtigen Gesellschaft reflektiert. Innerhalb ihrer Arbeit ist sie eine Künstlerin die beobachtet und gleichzeitig gefangen ist im Kampf zwischen innerlichen Patriarchen und den äußerlichen oder sozialen Patriarchen. Mit dem Körper zeigt sie auf, wie tatsächliche Spuren des menschlichen Lebensraums politisch miteinander verbunden sind und verwandelt werden. Bae realisiert ihre Werke in unterschiedlichen Formen wie Film, Performance, Objekt, Sound und Fotographie.


LING-YU HE, geboren 1987 in Taiwan, studierte Kunst und Pädagogik an der Taipeh Municipal University of Education und absolvierte den Masterstudiengang „Art in Context“ an der Universität der Künste Berlin. Seit 2015 beschäftigt sie sich mit den Themen Stadt- und Wohnungsrecht und versucht, verschiedene Methoden und Präsentationen durchzuführen. „Die Luxushütte“ besteht aus einem 24-minütigen Performance-Video und einem fiktiven Werbefilm über das fiktive Bauvorhaben: „Die Luxushütte – ein kleines, aber bequemes Haus“. Anhand persönlicher Erfahrungen und Interessen setzt sich die Künstlerin kritisch mit dem Thema des Rechts von Menschen und Tieren auf Leben auseinander und versucht, mehr Perspektiven auf das Problem des Lebens durch eine Rauminstallation zu eröffnen.


MONIKA KONRAD
wird über die Entwicklung von Wohnstandards der gesamten Russischen Föderation sprechen. Sie ist Absolventin der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität Poznań und der Erasmus Universität in Rotterdam. Konrad sammelte beruflichen Erfahrungen in Studios wie OMA und Claus en Kaan Architecten in den Niederlanden und in Moskau als Projektleiterin bei der Beratungsgesellschaft Strelka KB. Sie ist Autorin zahlreicher Projekte im stadtweiten Maßstab und Designerin von Stadt- und Architekturprojekten, die sich mit städtischen Normen und strategischen Projekten beschäftigen. Derzeit ist sie Direktorin des Gemeindeamtes für Stadtplanung und Entwicklungsstrategie in der Stadt Warschau.


CARSTEN LISECKI
, Autor von Raumstrategien. In Aktionen, Vorträgen, Filmen, generiert er Wissenstransfer und projiziert sein Repertoire in neue Bezugsräume wie aktivistische Zusammenhänge, Kunstorte und thematisch einschlägige Aktionen und Festivals wie z.B.: „Dwelling/Wohnen“ Athens School of Fine Arts,„Spreediame – Ein Essayfilm über Pioniergewächse und Kunstheiler“ im Verlag der Universität der Künste Berlin über die Nutzung von Kunst und Kultur als Motor der Berliner Stadtentwicklung. „KIK bleibt“ im Kreuzberg Museum gegen Ausgrenzung und Verdrängung von Anwohnern durch die Markthalle Neun. In „Kurpark Börek“ inszeniert er künstlerisch partizipatorische Arbeit vor einem Riegel hochpreisiger Townhouses in Berlin Mitte. In seinem Format „Zukunftsforschung Stadt“ diskutiert er mit Bazon Brock, Ina Weber u. a. über den Öffentlichen Raum als Erweiterung des Wohnzimmers und als Alternative zur Sporthalle.

In ABA World of Noon #9 präsentiert er „Kemenate – Verknappung, Anonymität und Öffentlichkeit“ mit den Inhalten: Die Schlafburschen. Bowies Expander. Alfred Messels Wohnanlagen. Ein Berliner Künstler beschert Endemol Millionen. Der Hausmeister als Schlüsselloch zur Welt. Der Wohnungsführerschein.


HAUS DER STATISTIK: Das Haus der Statistik war das ehemalige staatliche Verwaltungszentrum für die Statistik der DDR. Seit 2008 leer, befindet sich das Haus der Statistik heute zwischen Einkaufslagen, Hotels, ruhigen Wohngebieten und umgeben vom größten Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Aber das Gebäude ist auch Gegenstand eines einzigartigen Umwandlungsprojektes, bei dem zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um gemeinsam ihre Zukunft zu erfinden

Über die Salon-reihe WORLD OF NOON: Der Titel unserer Reihe bezieht sich auf eine fiktive Zukunftsgestaltung einer Reihe von Science-Fiction- Romanen, geschrieben von Arkady und Boris Strugatsky. In den Romanen führte der Sieg des Kommunismus und der Fortschritt der Technologie auf der Erde des Noon-Universums zu einer Überfülle an Ressourcen und einer Abschaffung der meisten Arten von Handarbeit. Das wichtigste Leitungsorgan ist der “World Council”, der sich aus den intelligentesten Wissenschaftler*innen, Historiker*innen, Ärzt*innen und Lehrer*innen zusammensetzt.
Die Salon-Reihe macht es sich zum Ziel, durch enge Zusammenarbeit mit in Berlin ansässigen Künstler*innen, Kurator*innen, Wissenschaftler*innen und Theoretiker*innen die professionelle internationale Vernetzung und die Anbindung der freien Szene an den Kunstdiskurs zu stärken. Zudem sollen die bisher oft intimen Salons einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.